ZUKUNFTSGARTEN LÜNEN – EIN PARK ALS EXPERIMENTIERFELD

Die Stadt Lünen im Kreis Unna steht exemplarisch für den tiefgreifenden Wandel vieler Städte im Ruhrgebiet. Über Jahrzehnte hinweg geprägt durch den Bergbau und die Montanindustrie, befindet sich Lünen seit den 1990er Jahren in einem kontinuierlichen Transformationsprozess. Ziel ist es, die ehemals industriell genutzten Flächen nicht nur zu revitalisieren, sondern sie in hochwertige, zukunftsfähige Lebensräume zu überführen. Mit dem Projekt „Zukunftsgarten Lünen“ zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027 wird dieser Wandel sichtbar, erlebbar und richtungsweisend weitergedacht.

Im Zentrum dieses ambitionierten Vorhabens steht das Gelände der ehemaligen Zeche und Kokerei Victoria I/II – eine rund 40 Hektar große Fläche, die als letzte bedeutende Potenzialfläche aus der Bergbauära im Stadtgebiet gilt. Über Jahrzehnte hinweg war sie Ort industrieller Produktion, später Brache und schließlich Projektionsfläche unterschiedlichster, jedoch nie realisierter Entwicklungsvisionen. Erst im Zuge der IGA 2027 rückte sie wieder in den Fokus der Stadtentwicklung. Heute wird sie zum Experimentierfeld einer neuen Generation von Landschaftsräumen.

Das neue Konzept nutzt diese Herausforderungen bewusst als Chance: Die notwendige Übererdung wird gestalterisch eingesetzt, um eine bewegte Topografie aus Hügeln und Senken zu schaffen. Daraus entsteht eine eigenständige Landschaft mit hoher Aufenthaltsqualität.

LANDSCHAFT IN BEWEGUNG

Unter dem Leitmotiv „Landschaft in Bewegung“ entwickelt sich ein Park, der durch Gegensätze lebt: offene und bewaldete Räume, Aktivität und Ruhe, Gestaltung und natürliche Entwicklung. Ein differenziertes Wegenetz mit Ebenen- und Waldrundweg verbindet alle Bereiche miteinander und macht den Park umfassend erlebbar. Ergänzt wird der physische Raum durch eine digitale Ebene: Eine Erlebnis-App vermittelt Geschichte, ökologische Zusammenhänge und Zukunftsperspektiven und erweitert den Park um eine interaktive Dimension.

ZWEI ZENTRALE ERLEBNISRÄUME

Das Herzstück des Zukunftsgartens Lünen bilden zwei klar definierte Erlebnisräume, die unterschiedliche Qualitäten, Atmosphären und Nutzungen verkörpern. Diese Zweiteilung ist nicht nur gestalterisches Prinzip, sondern auch inhaltliche Leitidee des Projekts.

Wettbewerbsstand

Die „Wunder der Ebenen“

Die „Wunder der Ebenen“ stehen für Offenheit, Bewegung und Aktivität. Dieser Erlebnisraum ist geprägt von weitläufigen Wiesenflächen, die durch die modellierte Topografie eine besondere Dynamik erhalten. Hügel und Senken schaffen abwechslungsreiche Räume, die zum Spielen, Sporttreiben und Entdecken einladen.

Hier entstehen vielfältige Angebote für unterschiedliche Altersgruppen und Interessen: Bewegungsflächen, Spielbereiche, Aufenthaltsorte und Räume mit offenen Nutzungsmöglichkeiten. Die Landschaft wird zum Möglichkeitsraum, der individuell angeeignet werden kann.

Die Offenheit der Ebenen erlaubt weite Blickbeziehungen und schafft ein Gefühl von Freiheit. Gleichzeitig wird die Topografie gezielt eingesetzt, um unterschiedliche Nutzungsbereiche zu gliedern und eine abwechslungsreiche Raumstruktur zu erzeugen. Der Ebenen-Rundweg verbindet diese Bereiche miteinander und macht sie komfortabel zugänglich.

Dieser Erlebnisraum spricht insbesondere die aktive Nutzung an – er ist ein Ort der Bewegung im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Hier wird die Idee der „Menschen in Bewegung“ unmittelbar erfahrbar.

Wettbewerbsstand

Die „Wunder des Waldes“

Im Kontrast dazu stehen die „Wunder des Waldes“, die den ruhigen, naturnahen Charakter des Parks verkörpern. Dieser Bereich konzentriert sich rund um das Haldentop und die angrenzenden Sukzessionswälder entlang der Lippe.

Anders als die offenen Ebenen wird hier die vorhandene Vegetation weitgehend erhalten und behutsam weiterentwickelt. Der gewachsene Sukzessionswald bildet einen wertvollen ökologischen Raum, der Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten bietet. Gleichzeitig schafft er eine besondere Atmosphäre der Ruhe und Kontemplation. Ein zentrales Highlight ist das Haldentop, das als markanter Aussichtspunkt ausgebildet wird. Eine aufgestellte Landmarke eröffnet hier weite Ausblicke über die Lippeauen, die Stadtlandschaft und die umliegenden Freiräume. Dieser Ort verbindet Naturerlebnis mit Orientierung und wird zu einem identitätsstiftenden Element des Parks.

Ergänzt wird dieser Erlebnisraum durch Angebote der Umweltbildung. Besucher*innen können hier ökologische Zusammenhänge kennenlernen, die Entwicklung von Landschaften nachvollziehen und die Bedeutung von Natur in einer postindustriellen Umgebung verstehen. Pfade führen durch den Bereich und verbinden die verschiedenen Stationen zu einem zusammenhängenden Erlebnis. Der Waldrundweg verläuft entlang der Lippe und ermöglicht einen ruhigen Weg zum Ausgangspunkt des Parks. Dabei steht nicht die schnelle Bewegung im Vordergrund, sondern das bewusste Wahrnehmen, Entdecken und Verweilen.

Beide Erlebnisräume ergänzen sich und bilden zusammen ein vielfältiges Gesamtbild – von Bewegung bis Kontemplation, von Offenheit bis Dichte.

Vernetzung und Zukunftsperspektive

Der Zukunftsgarten ist Teil einer größeren Parkachse von der Innenstadt bis zum Datteln-Hamm-Kanal. Neue Wege, Brücken und ein IGA-Radweg verknüpfen die Räume miteinander und stärken die Verbindung von Stadt und Landschaft. Als „Park im Wandel“ bleibt er bewusst offen für Weiterentwicklung und versteht sich als Plattform für neue Ideen, Nutzungen und Formen der Interaktion – ein lebendiger Raum, der sich stetig verändert.

Mit dem Zukunftsgarten Lünen entsteht im Rahmen der IGA 2027 ein Projekt, das weit über die Grenzen der Stadt hinausstrahlt. Es verbindet die Geschichte eines bedeutenden Industriestandortes mit einer zukunftsorientierten Vision von Landschaft und Stadtentwicklung. Somit ist er nicht nur ein Ort der Erholung, sondern auch ein Raum des Lernens, des Entdeckens und der Begegnung. Der Garten schlägt eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Mensch und Natur, zwischen analogem und digitalem Raum.

Als Teil der IGA 2027 wird er zu einem wichtigen Baustein der regionalen Entwicklung und zu einem sichtbaren Zeichen für den gelungenen Strukturwandel im Ruhrgebiet. Vor allem aber entsteht hier ein Ort, der sich stetig weiterentwickelt – gemeinsam mit den Menschen, die ihn nutzen, erleben und gestalten.

Der Zukunftsgarten Lünen ist damit nicht nur ein Park. Er ist ein lebendiges Experiment, eine Einladung zur Bewegung und ein Versprechen für die Zukunft.

Vom 23. April bis 17. Oktober 2027 wird das Ruhrgebiet zur Bühne der Internationalen Gartenausstellung – wir können es kaum erwarten! Ab sofort kann man sowohl in der Region als auch online unter folgendem Link Dauerkarten kaufen:

Standort

Bergkamen/ Lünen

Bauherr*in

Internationale Gartenausstellung (IGA) und Metropole Ruhr 2027 GmbH / Stadt Bergkamen + Stadt Lünen (Auslober)

Kooperation

Gesamtbaukosten

Bausumme Freianlage

Planungs- und Bauzeit

Wettbewerb 2021, in Planung

Wettbewerb

1. Preis Wettbewerb 2021
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